Herodot, Historien 1,31 24.04.15

Herodot, Historien

Was ist Glück (1,32f)

1,5
Griechischer Text
Z.
Kommentar / Übersetzung

Kroisos ist zum zweiten Mal enttäuscht von Solons Ansichten. Zuerst hatte er Tellos den glücklichsten Menschen genannt, den er kenne, also einen ganz normalen Privatmann, der in einem banalen Krieg heldenhaft gefallen ist, danach den Brüdern Kleobis und Biton, die nach einer großen, nichtmilitärischen Tat im Jugendalter verstorben waren, den zweiten Preis zuerkannt.

 

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Σόλων μὲν δὴ εὐδαιμονίης δευτερεῖα ἔνεμε τούτοισι, Κροῖσος
δὲ σπερχθεὶς εἶπε· „Ὦ ξεῖνε Ἀθηναῖε, ἡ δ᾽ ἡμετέρη εὐδαιμονίη
οὕτω τοι ἀπέρριπται ἐς τὸ μηδὲν, ὥστε οὐδὲ ἰδιωτέων ἀνδρῶν
ἀξίους ἡμέας ἐποίησας;“ Ὁ δὲ εἶπε· „Ὦ Κροῖσε, ἐπιστάμενόν
με τὸ θεῖον πᾶν ἐὸν φθονερόν τε καὶ ταραχῶδες ἐπειρωτᾷς
ἀνθρωπηίων πρηγμάτων πέρι. Ἐν γὰρ τῷ μακρῷ χρόνῳ
πολλὰ μὲν ἐστὶ ἰδεῖν, τὰ μή τις ἐθέλει, πολλὰ δὲ καὶ παθεῖν. Ἐς
γὰρ ἑβδομήκοντα ἔτεα οὖρον τῆς ζόης ἀνθρώπῳ προτίθημι.
Τουτέων τῶν ἁπασέων ἡμερέων τῶν ἐς τὰ ἑβδομήκοντα
ἔτεα, ἡ ἑτέρη αὐτέων τῇ ἑτέρῃ ἡμέρῃ τὸ παράπαν οὐδὲν
ὅμοιον προσάγει πρῆγμα. Οὕτω ὦν, ὦ Κροῖσε, πᾶν ἐστὶ
ἄνθρωπος συμφορή. Ἐμοὶ δὲ σὺ καὶ πλουτέειν μέγα φαίνεαι
καὶ βασιλεὺς πολλῶν εἶναι ἀνθρώπων· ἐκεῖνο δὲ, τὸ εἴρεό
με, οὔκω σε ἐγὼ λέγω, πρὶν τελευτήσαντα καλῶς τὸν αἰῶνα
πύθωμαι. Οὐ γάρ τι ὁ μέγα πλούσιος μᾶλλον τοῦ ἐπ᾽ ἡμέρην
ἔχοντος ὀλβιώτερός ἐστί, εἰ μή οἱ τύχη ἐπίσποιτο πάντα καλὰ
ἔχοντα εὖ τελευτῆσαι τὸν βίον. Πολλοὶ μὲν γὰρ ζάπλουτοι
ἀνθρώπων ἀνόλβιοι εἰσί, πολλοὶ δὲ μετρίως ἔχοντες βίου
εὐτυχέες.




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[Übersetzung]
Solon gab also diesen den zweiten Preis für das Lebensglück, Kroisos aber sagte erregt: „Gastfreund aus Athen, gilt dir unser Glück so sehr für nichts, dass du uns nicht einmal auf den gleichen Rang stellst wie Privatleute?“ Dieser aber antwortete: „Oh Kroisos, mich, der ich weiß, dass alles Göttliche neidisch und launisch ist, befragst du noch dazu über menschliche Angelegenheiten! In der langen Zeit gibt es vieles zu sehen, was man nιcht will, vieles aber auch zu ertragen. Denn auf siebzig Jahre setze ich die Lebensdauer für den Menschεn an. Von allen Tagen in den siebzig Jahren bringt kein Tag etwas auch nur entfernt Ähnliches wie der andre. Deshalb, Kroisos, ist der Mensch in jeder Hinsicht Zufall. Du selbst aber scheinst mir sehr reich zu sein und ein König über viele Menschen; jenes aber, was du mich fragst, kann ich jedenfalls dir noch nicht sagen, bevor ich weiß, dass dein Leben gut geendet hat. Der sehr Reiche ist nämlich keineswegs glücklicher als derjenige, der nur für einen Tag zu essen hat, wenn ihm nicht auch das Schicksal zuteil wird, dass er, der alles Gute hat, auch sein Leben gut beendet. Viele steinreiche Menschen sind nämlich unglücklich, viele dagegen, die nur ein mittelmäßiges Leben führen, vom Glück gesegnet.
1 δευτερεῖα: τὰ δευτερεῖα der zweite Preisἔνεμε → Stf2 σπερχθείς Aor. Pass. (von σπέρχομαι eilen): erregtεἶπε → Stf3 ἀπέρριπται → Stf15 πύθωμαι → Stf16 ἐπίσποιτο → Stfτὰ κατὰ τὸν Τέλλον die Lebensumstände des Tellos

Der Reiche aber Unglückliche kann seine Gelüste besser befriedigen und Schicksalsschläge leichter ertragen. Der arme aber glückliche Mensch hat es nicht so leicht in diesen beiden Dingen, jedoch er hat jede Menge Vorteile: Er ist ohne Leid, Krankheit, Übel, ist gesegnet mit Kindern und Wohlgestalt. Für ihn gilt weiterhin:

 

Εἰ δὲ πρὸς τούτοισι ἔτι τελευτήσῃ τὸν βίον εὖ, οὗτος ἐκεῖνος,
τὸν σὺ ζητέεις, ὁ ὄλβιος κεκλῆσθαι ἄξιος ἐστί· πρὶν δ᾽ ἂν
τελευτήσῃ, ἐπισχεῖν, μηδὲ καλέειν κω ὄλβιον, ἀλλ᾽ εὐτυχέα.
Τὰ πάντα μέν νυν ταῦτα συλλαβεῖν ἄνθρωπον ἐόντα ἀδύ-
νατον ἐστί, ὥσπερ χώρη οὐδεμία καταρκέει πάντα ἑωυτῇ
παρέχουσα, ἀλλὰ ἄλλο μὲν ἔχει, ἑτέρου δὲ ἐπιδέεται· ἣ δὲ ἂν
τὰ πλεῖστα ἔχῃ, αὕτη ἀρίστη. ῝Ως δὲ καὶ ἀνθρώπου σῶμα ἓν
οὐδὲν αὔταρκες ἐστί· τὸ μὲν γὰρ ἔχει, ἄλλου δὲ ἐνδεές ἐστι·
ὃς δ᾽ ἂν αὐτῶν πλεῖστα ἔχων διατελέῃ καὶ ἔπειτα τελευτήσῃ
εὐχαρίστως τὸν βίον, οὗτος παρ᾽ ἐμοὶ τὸ οὔνομα τοῦτο, ὦ
βασιλεῦ, δίκαιος ἐστὶ φέρεσθαι. σκοπέειν δὲ χρὴ παντὸς
χρήματος τὴν τελευτήν, κῇ ἀποβήσεται· πολλοῖσι γὰρ δὴ
ὑποδέξας ὄλβον ὁ θεὸς προρρίζους ἀνέτρεψε.“
Ταῦτα λέγων τῷ Κροίσῳ οὔ κως οὔτε ἐχαρίζετο, οὔτε λόγου
μιν ποιησάμενος οὐδενὸς ἀποπέμπεται, κάρτα δόξας ἀμαθέα
εἶναι, ὃς τὰ παρεόντα ἀγαθὰ μετεὶς τὴν τελευτὴν παντὸς
χρήματος ὁρᾶν ἐκέλευε.
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25
[Übersetzung]
Wenn er überdies sein Leben noch gut beendet, dann ist dieser jener, den du suchst, der es wert ist, glücklich genannt zu werden. Bevor er aber gestorben ist, muss man abwarten und darf ihn noch nicht glücklich nennen, sondern vom Glück gesegnet. Dass alles das zusammengenommen nun bei einem Menschen vorhanden ist, ist unmöglich, so wie kein Land wirklich komplett autark ist, indem es alles in sich selbst hervorbringt, sondern es hat anderes, ist auf anderes angewiesen. Das Land aber, das am meisten hat, ist das beste. So ist auch ein einzelner Mensch in keiner Weise autark: Das Eine hat er, das Andere fehlt ihm. wer aber von allen im Leben das Meiste hat und dann noch einen schönen Tod hat, der trägt nach meiner Meinung, oh König, diesen Namen zu Recht. Man muss bei allem auf das Ende sehen, wie es ausgeht: Vielen nämlich zeigt der Gott einen Zipfel des Glücks, reißt sie aber dann mitsamt der Wurzel aus.“ Indem er dieses sagte, erwies er Kroisos keinen Gefallen, wurde entlassen, ohne dass er ihn auch nur mit einem Wort erwähnt hatte, wodurch er den Eindruck großer Unverständigkeit hinterließ, weil er die gegenwärtigen Güter unbeachtet ließ und stattdessen mahnte, auf das Ende einer jeden Sache zu schauen.
21 κεκλῆσθαι → Stf31 ἀποβήσεται → Stf32 ὑποδέξας → Stfἀνέτρεψε → Stf34 δόξας → Stf