Koinē – Griechisch als Weltsprache

Entwicklung des Griechischen zur Weltsprache

Das Koinē-Griechisch (ἡ κοινὴ διάλεκτος, der allgemeine Dialekt) entwickelte sich aus den einzelnen griechischen Dialekten (Attisch, Dorisch, Ionisch, Äolisch) in der Zeit der Eroberung der Welt durch Alexanders den Großen, dessen Heer sich aus Makedonen und andere Griechen – mit der Ausnahme der Lakedaimonier – rekrutierte. Aufgrund der großen politischen und kulturellen Bedeutung Athens im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. war die Grundlage der Koinē das Attische.

Ausbreitung des Griechischen im Hellenismus

Durch die gewaltige territoriale Ausdehnung des makedonischen Reiches unter Alexander dem Großen wurde Griechisch zur allgemeinen Verkehrssprache in Südeuropa sowie in Syrien und Palästina bis nach Ägypten. In Vorderasien und Ägypten erhielt sich die Vormachtstellung dese Griechischen selbst nach der Verbreitung des Lateinischen durch die Römer unvermindert. Nach der Teilung des Römischen Reiches im Jahre 395 n. Chr. in einen westlichen Teil mit der Hauptstadt Rom und in einen östlichen Teil mit der Hauptstadt Konstantinopel wurde die Koinē in Ostrom um 630 zur alleinigen Amtssprache. Damit bildete sie die Grundlage für das in Griechenland gesprochene Griechisch des Mittelalters und der Neuzeit.

Griechisch war somit über viele Jahrhunderte Weltssprache: die wichtigste Verkehrssprache im östlichen Mittelmeerraum, wobei Griechisch auch im lateinischen Westen ziemlich weit verbreitet war. Die Sprache der Bildung und der Rhetorik war sie sowieso.

Die Koinē als Bibelgriechisch

Die Schriften des Neuen Testaments der Bibel sind in der neutestamentlichen Variante der Koine verfasst, der allgemeinen (von allen gesprochenen) Sprache. Die Septuaginta ist die in neutestamentlicher Zeit verbreitete Koine-Übersetzung des Alten Testaments und Quelle der meisten alttestamentlichen Zitate im Neuen Testament.

In Palästina gab es seit dem Hellenismus auch griechische Städte; gerade die gebildete Oberschicht bediente sich des Griechischen, während im einfachen Volk meist Aramäisch gesprochen wurde. Ein neutestamentliches Zeugnis für die griechischen Siedlungen ist die Erwähnung des als Dekapolis (griech. δέκα ‚zehn‘ und πόλις ‚Stadt‘) bezeichneten Bundes griechischer Koloniestädte im Nordosten Palästinas.

Zudem heißt es im Johannesevangelium (19,19–20), dass bei der Hinrichtung Jesu die Tafel mit der Inschrift „Jesus von Nazaret, der König der Juden“ in den drei Sprachen Hebräisch, Lateinisch und Griechisch abgefasst gewesen sei, was die Verbreitung des Griechischen als Verkehrssprache illustriert. Die Ausbreitung der neuen Religion wurde durch sie sehr erleichtert: Indem die Evangelien (εὐαγγέλιον „gute Nachricht“, „frohe Botschaft“) auf Griechisch verfasst wurden, konnte sich das Christentum rasch in der städtischen Bevölkerung im ganzen östlichen Mittelmeerraum verbreiten.