Aristoteles, Metaphysik I, 983b und 982b Staunen als Anfang der Philosophie und stoffartige Archē (982b und 983b) 20.01.16

Aristoteles, Metaphysik I

Staunen als Anfang der Philosophie und stoffartige Archē (982b und 983b)

 
Griechischer Text (rec. W. Jaeger 1957)
Kommentar / Übersetzung
982b
Staunen als Anfang der Philosophie
 
12


15




20
Διὰ γὰρ τὸ θαυμάζειν οἱ ἄνθρωποι καὶ νῦν καὶ
τὸ πρῶτον ἤρξαντο φιλοσοφεῖν, ἐξ ἀρχῆς μὲν τὰ πρόχειρα
τῶν ἀτόπων θαυμάσαντες, εἶτα κατὰ μικρὸν οὕτω προϊόντες
καὶ περὶ τῶν μειζόνων διαπορήσαντες, οἷον περί τε τῶν τῆς
σελήνης παθημάτων καὶ τῶν περὶ τὸν ἥλιον καὶ <τὰ> ἄστρα
καὶ περὶ τῆς τοῦ παντὸς γενέσεως. Ὁ δ᾽ ἀπορῶν καὶ θαυμά-
ζων οἴεται ἀγνοεῖν (διὸ καὶ ὁ φιλόμυθος φιλόσοφός πώς
ἐστιν· ὁ γὰρ μῦθος σύγκειται ἐκ θαυμασίων)· ὥστ᾽ εἴπερ διὰ
τὸ φεύγειν τὴν ἄγνοιαν ἐφιλοσόφησαν, φανερὸν ὅτι διὰ τὸ
εἰδέναι τὸ ἐπίστασθαι ἐδίωκον καὶ οὐ χρήσεώς τινος ἕνεκεν.
[Übersetzung]
Denn durch das Staunen begannen die Menschen sowohl jetzt als auch beim ersten Mal zu philosophieren, indem sie sich anfangs über das zunächstliegende Seltsame wunderten, dann in kleinen Schritten in dieser Weise vorangingen und auch über die größeren Dinge Fragen aufwarfen, wie z. B. die Zustände des Mondes und die der Sonne und die Gestirne und die Entstehung von allem. Wer sich aber über eine Sache im Unklaren ist und sich wundert, der glaubt sie nicht zu kennen. (Deshalb ist der Freund der Mythen [soz. ein Philomyth] auch in gewisser Weise ein Freund der Weisheit [d. h. ein Philosoph]; denn der Mythos besteht aus Wunderbarem.) Wenn sie daher zu philosophieren begannen, weil sie der Unwissenheit entgehen wollten, so suchten sie das Wissen offenbar wegen des Verstehens, nicht um irgendeines Nutzens willen.
983b
Stoffartige Archē der ersten Philosophen
 
6



10




15
Tῶν δὴ πρώτων φιλοσοφησάν-
των οἱ πλεῖστοι τὰς ἐν ὕλης εἴδει μόνας ᾠήθησαν ἀρχὰς
εἶναι πάντων· ἐξ οὗ γὰρ ἔστιν ἅπαντα τὰ ὄντα καὶ ἐξ οὗ
γίγνεται πρώτου καὶ εἰς ὃ φθείρεται τελευταῖον, τῆς μὲν
οὐσίας ὑπομενούσης τοῖς δὲ πάθεσι μεταβαλλούσης, τοῦτο στοι-
χεῖον καὶ ταύτην ἀρχήν φασιν εἶναι τῶν ὄντων, καὶ διὰ
τοῦτο οὔτε γίγνεσθαι οὐθὲν οἴονται οὔτε ἀπόλλυσθαι, ὡς τῆς
τοιαύτης φύσεως ἀεὶ σωζομένης, ὥσπερ οὐδὲ τὸν Σωκράτην
φαμὲν οὔτε γίγνεσθαι ἁπλῶς ὅταν γίγνηται καλὸς ἢ μουσι-
κὸς οὔτε ἀπόλλυσθαι ὅταν ἀποβάλλῃ ταύτας τὰς ἕξεις,
διὰ τὸ ὑπομένειν τὸ ὑποκείμενον τὸν Σωκράτην αὐτόν, οὕτως
οὐδὲ τῶν ἄλλων οὐδέν· δεῖ γὰρ εἶναί τινα φύσιν ἢ μίαν ἢ
πλείους μιᾶς ἐξ ὧν γίγνεται τἆλλα σωζομένης ἐκείνης.
[Übersetzung]
Von den ersten Philosophen hielten die meisten nur die stoffartigen Formen für Archai von allem; denn dasjenige, woraus alles Seiende ist und woraus es als erstes entsteht und in das es als letztes vergeht, wobei das Wesen bestehen bleibt und nur die Zustände wechseln, dies, sagen sie, sei Grundstoff und Archē des Seienden. Darum sagen sie auch, dass weder etwas werde noch vergehe, da eine derartige Natur stets erhalten bleibe, wie man ja auch von Sokrates nicht sagt, dass er überhaupt „wird“, wenn er schön oder gebildet wird, noch dass er vergeht wenn er diese Eigenschaften verliert, weil das Zugrundeliegende, Sokrates selbst, beharrt; so werde und vergehe auch nichts anderes. Denn es muss eine gewisse Natur vorhanden sein, entweder eine oder mehr als eine, woraus das übrige entsteht, während jene erhalten bleibt.